Regen bringt Segen – auch
Auf Schalke

Baubeginn für größtes Regenwasser-Projekt der Region in Gelsenkirchen

Gelsenkirchen. Im Rahmen der „Zukunftsvereinbarung Regenwasser“ haben heute Umweltminister Eckhard Uhlenberg, Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski und Dr. Jochen Stemplewski, Vorstandsvorsitzender der EMSCHERGENOSSENSCHAFT den Startschuss für eines der bisher größten Regenwasser-Projekte der Region gegeben. Auf dem 90 Hektar großen Areal „Berger Feld“ rund um die Schalke-Arena fließen künftig jährlich über 175.000 Kubikmeter Wasser direkt in die Emscher.



 „Der Emscherumbau ist ein weiterer Impulsgeber für den Strukturwandel in der Emscher-Lippe-Region. Insbesondere an einem Ort wie der Schalke Arena wird eine Alternative zur konventionellen Ableitung von Niederschlagswasser aufgezeigt. Vielleicht regt dies die Bürgerinnen und Bürger sowie Arena-Besucher zur Nachahmung an. Die Zukunftsvereinbarung Regenwasser ist 2005 im Westfalenstadion in Dortmund unterschrieben worden und wird nun mit dem bisher größten Projekt an der Schalke Arena fortgeführt. Das zeigt die Verbundenheit im Revier, die nötig ist um ein so großes Projekt wie die Umgestaltung des Emschergebietes umsetzen zu können.“ Eckhard Uhlenberg, Umweltminister Nordrhein-Westfalen

„Dieses Projekt ist ökologisch wertvoll, ökonomisch sinnvoll und zudem stadtplanerisch eine Aufwertung für Gelsenkirchen.“ Frank Baranowski, Oberbürgermeister Gelsenkirchen

„Eine zukunftsfähige Regenwasserbewirtschaftung ist wichtig für die Entwicklung neuer, intakter Fließgewässer im Neuen Emschertal. Die Abkopplung von Regenwasser aus der Kanalisation bedeutet handfeste ökonomische Vorteile bei gleichzeitiger ökologischer Verbesserung der Gewässer. Mit der „Zukunftsvereinbarung Regenwasser“ rollen wir der neuen blauen Emscher den roten Teppich aus.“ Dr. Jochen Stemplewski, Vorstandsvorsitzender EMSCHERGENOSSENSCHAFT

Berger Feld

Mit dem Grabensystem auf dem Berger Feld werden zukünftig die Abflüsse eines rund 90 Hektar großen Areals ohne Vermischung mit Schmutzwasser direkt in die Emscher geleitet. Jährlich gelangen  somit über 175.000 Kubikmeter Wasser nicht mehr in die Kanalisation. Das spart Geld und sichert der umgebauten Emscher später auch in regenfreien Zeiten einen steten Wasserstrom. Im Berger Feld wird dazu ein oberirdisches Ableitungs- und Rückhaltesystem erstellt.

Im gesamten Emschergebiet sind mittlerweile rund 100 Projekte mit einem Abkopplungsvolumen von 362 Hektar fertig gestellt bzw. im Bau. Damit werden bereits jährlich ca. 2,5 Mio. Kubikmeter Wasser der Kanalisation ferngehalten.

Die Vorteile der Abkopplung des Regenwassers vom Schmutzwasser liegen einerseits in der künftigen Dimensionierung von Kläranlagen, Abwasserkanälen und Regenbecken, andererseits in der ökologischen Aufwertung der künftig sauberen Emscher und ihrer Nebenläufe. Kleinere Kläranlagen und Abwasserkanäle sparen Geld, ständig wasserführende Bäche und Flüsse bieten attraktive Räume für Mensch und Tier.



Wasserwirtschaft im Revier

Mit rund 2700 Einwohnern je Quadratkilometer ist die Emscherregion fünf Mal so dicht besiedelt wie Nordrhein-Westfalen im Durchschnitt. Der Anteil der befestigten Flächen ist mit 30 % um einiges höher als in anderen Teilen Nordrhein-Westfalens, wo rund 22 % der Gesamtfläche durch Wohnbebauung, Gewerbeflächen, Straßen usw. befestigt und versiegelt ist.

Ca. 18 Hektar werden in Nordrhein-Westfalen täglich neu bebaut oder asphaltiert. Die damit einhergehende schnelle und vollständige Ableitung von Regenwasser bleibt nicht wirkungslos – die negativen Auswirkungen sind immer wieder und in vielen Bereichen spürbar. Bäche und Flüsse schwellen bei starkem Regen in kürzester Zeit massiv an, die Kanalisation ist bisweilen überfordert und staut zurück. Umfangreiche regulierende und schützende Maßnahmen werden dadurch notwendig. Die EMSCHERGENOSSENSCHAFT unterhält dazu mehr als 100 Pumpwerke, hunderte von Regenwasserbehandlungsanlagen und Rückhaltebauwerken in der Region sowie rund 37 km Deichstrecke allein entlang der Emscher. Die eigene, kontinuierliche Radarbeobachtung von Wetter und Niederschlag rund um die Uhr hilft, rechtzeitig Gefahren zu erkennen und darauf zu reagieren.

Zukunftsvereinbarung Regenwasser

Wesentlicher Bestandteil des Emscher-Umbaus ist der richtige Umgang mit Regenwasser und der damit verbundene Hochwasserschutz. Die Unterzeichnung der „Zukunftsvereinbarung Regenwasser“ im Jahre 2005 setzte über die regionalen Grenzen hinaus einen Meilenstein in der Wasserwirtschaft: In keinem anderen Bundesland gibt es einen derartigen Konsens mit vergleichbarem Abkopplungsziel. Gemeinsam vereinbarten das Umweltministerium NRW, die Emscherstädte und die EMSCHERGENOSSENSCHAFT das ehrgeizige Ziel bis zum Jahre 2020 im wasserwirtschaftlichen Einzugsbereich der Emscher 15 % des Regenabflusses von der Kanalisation abzukoppeln. Realisiert werden sollen in diesem Zeitraum Projekte z. B. mit Wohnungsbaugenossenschaften, Industrie und kommunalen Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern oder auch die Abkopplung von ganzen Arealen aus befestigten und natürlichen Flächen wie jetzt das „Berger Feld“ in Gelsenkirchen. Dazu stellt das Umweltministerium über einen Zeitraum von fünf Jahren 35 Mio. Euro zur Verfügung. Die Mitglieder der EMSCHERGENOSSENSCHAFT können zusätzlich noch auf weitere 70 Mio. Euro zugreifen.

Die „Zukunftsvereinbarung Regenwasser“ nennt handfeste Motivatoren für ein solch ehrgeiziges Ziel: dies sind neben ökonomischen und ökologischen Aspekten auch stadtplanerische und wasserwirtschaftliche Gesichtspunkte. So ist Wasser in städtischen Brunnen, Gräben oder Gewässern ein attraktives Gestaltungselement. Die Sichtbarkeit und Erlebbarkeit von Regenwasser z. B. auf einem umgestalteten Schulhof bedeutet für Kinder das bewusste Erleben einer „urbanen Natur“.

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