Der Umgang mit Regenwasser ist in den letzten Jahren immer mehr zu einem Thema in der Siedlungswasserwirtschaft geworden. Nicht nur für Städte und Planer, auch für jeden einzelnen Grundstückseigentümer gewinnt dieses Thema an Interesse, da die Entwässerungsgebühren für sauberes Regenwasser, das über die Kanalisation abgeleitet wird, oft beträchtliche Summen ausmachen. Mit der zunehmenden Versiegelung von Flächen in unseren Städten werden nämlich immer mehr Niederschläge über die Kanalisation abgeleitet. Um die immensen zusätzlichen Wassermengen bei Regenfällen abführen zu können, müssen das Kanalnetz und die Speicherbauwerke entsprechend ausgebaut werden – ein nicht unerheblicher Kostenfaktor. Beim Umbau des Emschersystems ist diese Form der Regenwasserableitung zudem schlecht für die Gewässer, denn ihnen geht ohne Regenwasser buchstäblich das Wasser aus. Gründe genug, die Ableitung des Regenwassers über die Kanalisation neu zu überdenken. Emschergenossenschaft und Kommunen der Region sind sich einig: in den nächsten 15 Jahren sollen die Abflüsse in der Kanalisation um 15 % sinken – indem das Regenwasser einen anderen Weg geht. Sie versprechen sich davon Kosteneinsparungen beim Bau der neuen Kanäle und einen Gewinn für die Umwelt. Und für alle Grundbesitzer mit großen Dach- und Hofflächen kann der andere Umgang mit Regenwasser ein Weg sein, mit praktiziertem Umweltschutz Geld zu sparen.
Zahlreiche namhafte Unternehmen, Städte und öffentliche Einrichtungen aus der Region haben das wirtschaftliche Potential einer geänderten Regenwasserbewirtschaftung bereits erkannt und entsprechende Maßnahmen umgesetzt, die hier Jahr für Jahr beachtliche Einsparungen bei den Abwassergebühren bewirken.
Dieses Engagement wird belohnt: Die Maßnahme „St Marien“ wurde am 20.05.08 von der Emschergenossenschaft mit dem „Wasserzeichen“ ausgezeichnet. Es steht als Symbol für einen intakten Wasserkreislauf und wird für Projekte vergeben, die sich den nachhaltigen Umgang mit Regenwasser zum Ziel gesetzt haben. Die Auszeichnung wurde von Herrn Pfarradministrator Rehberg für die Katholische Pfarrgemeinde St Marien von Herrn Becker, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft der Emschergenossenschaft, entgegengenommen.
In dem Projekt wurden 2.660 m² Dachflächen und 1.080 m² private Verkehrsflächen von der Mischwasserkanalisation abgekoppelt. Dabei handelt es sich um die Kirche, den Kindergarten und weitere Nebengebäude sowie Zufahrten und Fußwege auf dem Kirchengelände. Das auf diesen Flächen anfallende Regenwasser wird über eine Vielzahl von Mulden und Rigolen auf dem Grundstück der Gemeinde versickert. Das versickerte Regenwasser kommt über das Grundwasser dem Hahnenbach zugute. Insgesamt konnte so eine Fläche von 3.740 m² befestigte Fläche von der Mischwasserkanalisation abgekoppelt und naturnah bewirtschaftet werden. Es verbleiben lediglich 300 m² an der Mischwasserkanalisation.